Ein altes Foto und vier tote Philosophen

Meine digitale Fotosammlung umfasst rund 100.000 Bilder. Die meisten davon sind „Scroll“-Ware um die Muskeln im Zeigefinger zu trainieren, wenn er über Jahrzehnte meines Lebens wischt. Dann aber gibt es Fotos, die im Nachgang ikonisch werden können, weil sie für ein Lebensgefühl stehen, eine Generation repräsentieren oder auch für den Betrachter selbst eine neue Bedeutung bekommen. Wie in diesem Fall: Meine multimodale KI habe ich als „wissenschaftlichen Mitarbeiter“ (frei nach Christian Uhle) eingesetzt und am Ende ist daraus unter anderem, ein kleiner philosophischer Essay entstanden:

Ich 1985

Infografik Meine SR500 und vier tote Philosophen

Das eingefrorene Wumpf: Wie ich mit einer KI und vier toten Philosophen mein Gedächtnis entwickelte

Alles beginnt mit einem alten Foto: Ich krame in einer Kiste und plötzlich halte ich einen vergilbten Moment in den Händen. In diesem Fall: Ich, Mitte der 80er, mit einer Frisur, die ich heute wohl nur noch ironisch tragen würde, auf meiner geliebten Yamaha SR 500. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Doch dann kommt mir eine seltsame Idee: Was passiert, wenn ich dieses sehr persönliche Stück Vergangenheit einer künstlichen Intelligenz zeige? Ich lade das Bild hoch und stelle die einfachste aller Fragen: „Was siehst du auf dem Foto?“

Was folgt, ist keine simple Beschreibung. Es ist der Beginn einer faszinierenden Reise, einer Art archäologischen Ausgrabung meiner eigenen Erinnerung, bei der die KI zu meinem digitalen Pinsel und Spachtel wird.

Die Dunkelkammer im Laptop: Wie ein altes Foto sprechen lernt

Der Dialog mit der KI fühlt sich an wie die Arbeit in einer altmodischen Dunkelkammer. Meine erste Frage ist das Entwicklerbad, das die groben Konturen sichtbar macht: „Person, Motorrad, Hintergrund.“ Okay, nicht schlecht für den Anfang. Aber dann kommt der Moment, der alles verändert. Die KI beschreibt meine Jacke als „wahrscheinlich aus Leder“. Ich greife ein, wie ein Fotograf, der einen Regler justiert: „Nein, das ist eine englische gewachste Baumwolljacke.“

Von wegen Quiet

Hüüt mal op Hochdüütsch

Es ist der 29. Juni. Eine der letzten Gelegenheiten Fotos auf der Kieler Woche zu schiessen. Vor der Woderkant-Bühne herrscht dichtes Gedränge, jeder Betonkübel ist mit Fussballfans besetzt, die einen kleinen Blick aufs Spielgeschehen erhaschen wollten. Havertz und Musiala machen das 2:0 gegen unsere dänischen Nachbarn klar. Jubel, grosse Ausgelassenheit, die Menge angenehm euphorisiert. Und dann ist es schön, einfach nur Teil von ihr zu sein. Klein, unbedeutend, neugierig, treibend, bis zur nächsten Sensation. Und die, ganz ehrlich, erlebe ich auf der Jungen Bühne mit Quietgirl.

Alles andere als leise, fritiert die Girlsband aus Lübeck meine Gehörgänge mit allerfeinstem Post-Grunge, -Punk, Rock, tiefen Bässen, gepaart mit Tempi-Wechsel und harten Heavy-Metal-Riffs und die Bühnenperformance der Mädels haut mich einfach um. Ich muss an die Frontfrau von Garbage „Only happy, when it rains …“, denken, mein Gott sind die 90er lange her. Egal. Ich bin hier und die Crowd hat mich am richtigen Platz ausgespuckt. Einfach grossartig.

Plattmensch bi NDR Kultur

Plattdüütsch un Künstliche Intelligenz! 👍

Ik bin Fan vun NDR.de/Kultur un heff nu ok dat Glück, dat de Websiet de Dören för Plattdüütsch immer wieter open makt. So heff dor en paar Artikel schreven, wat ik hier geern delen much. Klick op dat Bild, denn kummt de Artikel.

RAINER n
Ik heff dat grote Glück hat un snacken mit Kulturphilosoph Ralf Konersmann över de Themen, mit de he sik opstunns beschäftigen deit.
„Mittagsstunde“ een wunnerbare Film. Doröver heff ik mit de Hauptdarsteller Charly Hübmer snackt. Korte Büxen harr ik bi den Interviewtermin ok geern an hat, weer nämli düchtig warm + Partnerlook!
Vun Nordfriese to Nordfriesin, „Brinkebüll“ is överall un nu warrt bald in’t Kino Plattdüütsch snackt.
Boy Lornsen, Kapitänssöhn vun Sylt, een Genie, wat nu 100 Johr olt worrn weer!

„Modderspraak wat klingst du…“

Vele Platt- un Friesisch-Menschen hebbt sik mellt bi mi, to den Artikel wat ik to’ n UNESCO Dag vun de Modderspraak över verscheden Spraak- Biographien schreven heff. Velen Dank för dat Loff, Merci !Ik much aver dorto seggen, dat mien Artikel ahn de wunnerbaren Texte vun de Interviewten nich mal half so veel dögen worr. Bi‘t rechercheren markte ik erst, woveel Emotionen in dat Thema binnen steeken.